Was hat Sie persönlich dazu gebracht, sich so intensiv mit der Benachteiligung von Frauen in Karriere und Finanzen zu beschäftigen?
Mich hat schon früh beschäftigt, dass Frauen im Berufsleben oft nicht die gleichen Chancen haben wie Männer - sei es beim Aufstieg in Führungspositionen, bei der Bezahlung oder beim Thema Altersvorsorge. In Gesprächen mit Kolleginnen, Freundinnen und auch in meinem beruflichen Umfeld habe ich immer wieder erlebt, dass hochqualifizierte und engagierte Frauen sich selbst unterschätzen, zurückstecken oder in Strukturen festhängen, die ihre Karrierechancen einschränken. Gleichzeitig zeigen Statistiken sehr deutlich, dass Frauen häufiger von finanzieller Unsicherheit im Alter betroffen sind - trotz hoher Qualifikation und großer Leistungsbereitschaft.
Für mich war das der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Wenn wir das ändern wollen, braucht es mehr Sichtbarkeit, Bewusstsein und Mut, diese Themen offen anzusprechen. Es geht nicht nur um abstrakte Gleichstellung, sondern ganz konkret um Lebensqualität, Unabhängigkeit und Zukunftssicherheit. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass Frauen ihre Stärken selbstbewusst einbringen, ihre Finanzen aktiv gestalten und ihre Karrierechancen nutzen können - und dass Strukturen geschaffen werden, die dies fördern.
Gibt es eine Zahl oder auch eine Tatsache, die Sie selbst immer wieder überrascht oder nachdenklich macht?
Was mich immer wieder nachdenklich macht, ist der niedrige Anteil von Frauen in Führungspositionen. In Deutschland liegt er seit Jahren bei nur rund 24 %, und je höher man auf der Karriereleiter schaut, desto dünner wird die Luft für Frauen. Viele sind hervorragend qualifiziert, leisten ausgezeichnete Arbeit - und stoßen dennoch an unsichtbare Grenzen auch und leider häufig an die „gläserne Decke“. Barrieren, die man nicht sofort sieht, die aber wirksam verhindern, dass Frauen die obersten Ebenen in Unternehmen oder Organisationen erreichen. Mich beschäftigt dabei besonders, dass diese Decke trotz aller Fortschritte und Initiativen so hartnäckig bleibt.
Das zeigt: Es geht nicht um fehlendes Können oder fehlenden Willen auf Seiten der Frauen, sondern um Strukturen, Erwartungen und manchmal auch unbewusste Vorurteile, die Veränderungen erschweren. Gerade deshalb ist es so wichtig, immer wieder über diese Themen zu sprechen und Vorbilder sichtbar zu machen.
In Ihrem Vortrag sprechen Sie auch Forderungen direkt an Frauen aus. Wo sehen Sie hier Ansatzpunkte für Frauen, selbst aktiv Veränderungen anzustoßen?
Ich halte gar nichts von Männer-Bashing - mir ist wichtig, dass wir Frauen selbst aktiv werden. Es gibt viele Hebel, an denen wir ansetzen können: Selbstbewusstsein statt Selbstzweifel, Netzwerke statt Einzelkämpferin, Finanzkompetenz statt Abhängigkeit. Und natürlich geht es auch darum, Chancen zu ergreifen, anstatt sie vorbeiziehen zu lassen. Mehr dazu verrate ich in meinem Vortrag - denn es sind oft die kleinen Schritte, die große Veränderungen möglich machen.
Was möchten Sie, dass die Teilnehmenden nach Ihrem Vortrag mitnehmen?
Wenn die Teilnehmenden nach meinem Vortrag rausgehen und denken: ‚Stimmt, die Männer haben die Welt nicht gepachtet - die Frauen müssen dranblieben‘, dann habe ich mein Ziel erreicht. Am liebsten sollen die Frauen spätestens nach dem Vortrag die Dinge selbst in die Hand nehmen – mit Durchsetzungskraft und gern auch mit einem Lächeln und vor allem auch mal mit einem Blick aufs eigene Konto: Aktien, Fonds und Finanzen sind nicht nur Männersache. Ein bisschen Geld-Check zuhause kann Wunder wirken, die eigene Zukunft sichern - und Gespräche darüber schaden auch nicht!
Vortrag: Die gläserne Decke - Warum Peter Kohle und Karriere macht und Paula nicht
Wann: 15.10.2025, 18:30 - 20:00
Wo: Innovationscampus Sigmaringen, Marie-Curie-Str. 20, 72488 Sigmaringen
Anke Traber, Leiterin der Agentur für Arbeit, Konstanz-Ravensburg